Ausstellung

Bloom up!

Die Sprache der Blumen in der Kunsthalle Baden-Baden

Ein Willkommensstrauß an das Publikum: Kaum ein Motiv ist so allgegenwärtig, so wandelbar und aussagekräftig wie die Blume. Sie ist seit Jahrtausenden als Ornament, Attribut oder Symbol in menschlichen Gesellschaften präsent. Starke Gefühle, lebendige Erinnerungen und wirkmächtige Bilder verbinden sich mit Blumen, ihrer Schönheit, ihrem Duft oder ihrer Bedeutung. Die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden und das Badische Landesmuseum nutzen dieses Motiv deshalb für den Beginn ihrer Kooperation – ihre erste gemeinsame Ausstellung „Bloom up! Die Sprache der Blumen“ ist bis zum 10. Januar 2027 in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zu sehen.

Petrit Halilaj und Álvaro Urbano 27th of March 2012 (Forsythias), 2020 © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Petrit Halilaj und Álvaro Urbano 27th of March 2012 (Forsythias), 2020
© Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Die unterschiedlichen Schwerpunkte beider Häuser ermöglichen anhand des Motivs der Blume eine neuartige Begegnung von zeitgenössischer Kunst und Kulturgeschichte. Anstelle eines chronologischen Zugangs nähert sich die Ausstellung dem Thema durch Gegenüberstellungen von zeitgenössischen künstlerischen Positionen und Kulturgütern aus unterschiedlichen Epochen. Darüber hinaus wurden Künstlerinnen und Künstler wie Willem de Rooij, Ketuta Alexi-Meskhishvili oder Sissel Tolaas eingeladen, sich in neuen Arbeiten mit den Objekten des Badischen Landesmuseums auseinanderzusetzen. Entstanden sind kritische Revisionen und neue Interpretationen – mal fotografisch, mal olfaktorisch. Der lebendige, unerwartete Dialog zwischen kulturhistorischen Sammlungen und zeitgenössischer Kunst sprengt die Grenzen von Raum und Zeit.

„Die gemeinsame Arbeit stellt für beide Häuser eine große Herausforderung, aber auch eine immense Bereicherung dar. Wir möchten mit Bloom up! zum Nachdenken, zur Diskussion, aber auch zum sinnlichen Erleben anregen“, so Prof. Dr. Eckart Köhne. Gemeinsam mit Susanne Schulenburg leitet er neben dem Badischen Landesmuseum seit 2025 auch die Staatliche Kunsthalle Baden-Baden.

Die Ausstellung beginnt mit dem Thema der Blume als Symbol in Liebes- und Paarbeziehungen – und überträgt es aus einem traditionellen regionalen in einen aktuellen globalen Kontext. Bauernschränke aus dem 18. und 19. Jahrhundert, die reich mit Blumen und Ranken verziert sind, symbolisieren Liebe, Fruchtbarkeit und Wohlstand und dienten häufig als Hochzeitsgeschenk. Ihnen werden die Blütenskulpturen des Künstlerduos Petrit Halilaj und Álvaro Urbano an die Seite gestellt. Sie sind Zeugnisse privater Momente ihrer Beziehung und projizieren intime Zweisamkeit monumental in den öffentlichen Raum der Ausstellung.

Die norwegische Künstlerin und Forscherin Sissel Tolaas setzt sich mit spätmittelalterlichen Glasfenstern aus Freiburg und Konstanz auseinander. Eines der Fenster nach einem Entwurf von Hans Baldung Grien zeigt die Legende der Heiligen Dorothea, deren Attribut ein mit Rosen gefüllter Korb ist. Tolaas schuf eigens für die Ausstellung eine Arbeit bestehend aus verschiedenen Gerüchen, die sich auf das Fenster als solches beziehen: auf das Material, seine Alterung und die Spuren, die die Zeit hinterlässt.

Sir Edward Burne-Jones und William Morris Wirkteppich Der Pilger im Garten Entwurf: London, vor 1896, Ausführung: Merton Abbey, London, 1901, Unikat, Wolle, Baumwollkette, Seide, gewirkt, gestickt, Badisches Landesmuseum © Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes De- ters

Sir Edward Burne-Jones und William Morris Wirkteppich Der Pilger im Garten Entwurf: London, vor 1896, Ausführung: Merton Abbey, London, 1901, Unikat, Wolle, Baumwollkette, Seide, gewirkt, gestickt, Badisches Landesmuseum
© Badisches Landesmuseum, Foto: Hannes Deters

Die Serie Hard to Say I’m Sorry von Belia Zanna Geetha Brückner bildet ein kritisches Pendant zum bekannten Jugendstil-Teppich Der Pilger im Garten von Edward Burne-Jones und William Morris.

Brückners Werk kommentiert dazu ergänzend die ungleichen Machtverhältnisse in Beziehungen. Mit ihren Blumensträußen thematisiert sie Entschuldigungsgesten in toxischen und gewaltvollen Beziehungen – und macht so die Kehrseite von Liebe und Bewunderung sichtbar.

Der Künstler Willem de Rooij widmet sich in einer kritischen Untersuchung dem komplexen Thema „Whiteness“. Dies bezeichnet den Zustand, in dem „weiße“ Kultur und weiße Menschen als gesellschaftliche Norm gelten und alles Abweichende als das Andere definiert wird. Der Begriff „Critical Whiteness“ kennzeichnet dieses Konstrukt als historisch gewachsen und macht die damit einhergehenden gesellschaftlichen Privilegien, Machtverhältnisse und Normen bewusst. De Rooij behandelt dieses Thema mit Bouquet IX, einem ausschließlich aus weißen Blumen bestehenden Strauß, sowie einer Arbeit aus der Serie der Weavings, Whites. Speziell für diese Ausstellung beschäftigte er sich zudem mit den Fotosammlungen der Landesstelle für Alltags- und Regionalkultur in Staufen, einer Außenstelle des Badischen Landesmuseums. Seine ausgewählten historischen Aufnahmen aus Südwestdeutschland hinterfragen ebenfalls das Thema „Whiteness“.

Die georgische Künstlerin Ketuta Alexi-Meskhishvili nähert sich mit ihrer fotografischen Arbeit einer spätmittelalterlichen Pietà nicht als Ganzes, sondern im Detail: einer Hand, einem Faltenwurf, der Rückseite der Skulptur. So stellt sie in den Mittelpunkt, was sonst keine Beachtung findet. Sie fokussiert den Körper Marias abseits seiner zugewiesenen Rolle, Leid und Gewalt abseits von Verklärung. Dass der Mantel der Pietà mit Tulpen bemalt ist, bildet eine unerwartete Brücke zu einer anderen Fotoserie von Alexi-Meskhishvili mit diesem Motiv. In Georgien ist die Tulpe Symbol des Widerstands, der Trauer und der kollektiven Erinnerung.

Auch die weiteren Werke eröffnen neue Blickwinkel auf die Kulturgeschichte der Blume: darunter das Requiem des bedeutenden Avantgarde-Filmemachers Jonas Mekas, die Rauminstallation des in Puerto Rico lebenden Künstlerduos Allora & Calzadilla sowie die Fotoserie der amerikanischen Künstlerin Taryn Simon. Einen Höhepunkt der Ausstellung bildet eine großformatige, mit unterschiedlichen Blumenarten und Kronen bestickte Seidendecke. Das seltene Stück, das qualitativ außergewöhnlich gut erhalten ist, stammt angeblich aus dem Kloster Lichtental und wird erstmals öffentlich gezeigt.

Ketuta Alexi-Meskhishvili Tulip Season for Henri Analog C-Print (AP II/II of an edition of Two + II AP), 2024 © Ketuta Alexi-Meskhishvili and LC Queisser Tbi- lisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

Ketuta Alexi-Meskhishvili Tulip Season for Henri Analog C-Print (AP II/II of an edition of Two + II AP), 2024
© Ketuta Alexi-Meskhishvili and LC Queisser Tbi- lisi, Cologne, Foto: George Kolbaia

Im „Studio“ erleben die Besucherinnen und Besucher weitere Aspekte aus der Kulturgeschichte der Blume: Zu den hier präsentierten Sammlungsobjekten aus dem Badischen Landesmuseum zählen etwa antike Weihgeschenke mit Lotusblüten aus Zypern oder ein Diadem mit Myrten aus dem Besitz der Großherzogin Luise von Baden. Eine App erweitert darüber hinaus die Ausstellung in den digitalen Raum und bietet neben klassischen Audioguides vertiefende Einblicke: Studio Visits entführen in die Kunst-Ateliers und verraten mehr über den Entstehungsprozess der Werke. Die App bietet auch neue Möglichkeiten für das gemeinsame Erleben der Ausstellung: Im Gruppenmodus sorgen Spiele oder Abstimmungen für einen unterhaltsamen Austausch, und im Dating-Modus kann man nicht nur die Ausstellung, sondern auch sich gegenseitig besser kennenlernen. Ein umfangreiches Begleitprogramm umfasst Führungen, Diskussionsformate sowie kreative Werkstattangebote.

Blick in die Ausstellung Schrank mit Sonnenblume, Bonndorf, 1749 und Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, 16th of March 2019 (Poppy), 2020 © Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck

Blick in die Ausstellung Schrank mit Sonnenblume, Bonndorf, 1749 und Petrit Halilaj und Álvaro Urbano, 16th of March 2019 (Poppy), 2020
© Badisches Landesmuseum, Foto: ARTIS – Uli Deck


Auf einen Blick

Ausstellungsinformation

Bis 10. Januar 2027
Bloom up! Die Sprache der Blumen
Staatliche Kunsthalle Baden-Baden
Lichtentaler Allee 8a, 76530 Baden-Baden
www.bloomup-ausstellung.de

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